Woche 2

Montag

Am Montag traf ich Lisa und Mirco, zwei Teilnehmer der AIFS-Reisegruppe, und fragte sie, wie ihre Pläne sind. Sie erzählten mir, dass sie für 70 Euro pro Person mit dem Zug nach Brisbane fahren wollen. Da ich ebenfalls Sydney verlassen wollte – bloß noch nicht wusste, wohin – kaufte ich mir kurzerhand ebenfalls ein Zugticket nach Brisbane.

Der Zug fuhr um 16 Uhr, auschecken aus dem WakeUp musste ich aber bereits um 10 Uhr. Max und Laura hatten ebenfalls Zeit, sodass wir uns im Foyer des Hostels trafen. Dort tauschten wir uns über unsere ersten Eindrücke in Sidney aus und sprachen über Arbeitsmöglichkeiten. Hungrig wie die Wölfe gingen wir ins Chinatown von Sydney und aßen (???). Schmeckt ganz gut, aber hauptsächlich möchte ich mich davon nicht ernähren :-D .

Die Zeit verging extrem schnell, sodass ich nach einem kurzen Zwischenstopp im „Wollis“ Richtung Hostel ging, um mein Gepäck zu holen.

Im Bahnhofsgebäude saß eine eine alte Dame neben mir, die mich ohne Ende zuquatschte – Ohhh mein Gott *gähn*. Nix gegen Smalltalk, aber 30 Minuten irgendwelche Storys der Oma, wie sie sich bei der Zuggesellschaft beschwert hat oder das Züge manchmal die Plattformen tauschen, sind sooooo langweilig. Letztlich habe ich dann zu Hause angerufen (natürlich habe ich es so fingiert, dass ich angerufen werde, damit es nicht unhöflich aussieht), sodass die Oma endlich Redepause hatte.  Nebenbei war Mutti natürlich auch mal wieder für einen Anruf dankbar *pfeif*.

Der Rest des Tages wurde mit Zeitunglesen und Schlafen über die Runde gebracht.

Dienstag

14 Stunden später, 5 Uhr morgens, sind wir endlich in Brisbane angekommen. Dort trafen wir zwei andere Mitreisenden der AIFS-Reisegruppe, die nach Brisbane geflogen sind. Nikolaj und Matthias wollten sich ein Van kaufen, sodass wir mit dem Zug durch halb Brisbane fuhren. Am Schalter fragten wir nach Gruppenkarten, was leider verneint wurde. Anschließend fragten wir nach Tageskarten (die Einzelfahrkarte zur „Autohausmeile“ kostete 8,40 A$ pro Person), was wiederrum verneint wurde. Der Mann am Schalter fügte hinzu: „Wir werden von einer Frau regiert. Wir haben gar nichts“. :-D

Nachdem wir endlich die Tickets hatten, fuhren wir 30 Minuten mit dem Zug – nur leider in die falsche Richtung. Also wieder ausgestiegen, neu eingestiegen und zurückgefahren. Danach fuhren wir aber in die richtige Richtung und Nikolaj und „Matze“ fanden bereits beim vierten Autohaus einen Van von Toyota. Eine Stunde später saßen wir auch schon im Auto und fuhren los. Erste Ziel war der Hauptbahnhof, um unser Gepäck abzuholen. Anschließend machten wir uns auf den Weg nach Bargara, in der Nähe von Bundaberg. Dank des freundlichen Vermieters konnten „wir“ (ich als Gast) am Abend noch in die Wohnung. Nach einem kurzen Spaziergang zum Meer, fielen wir müde ins Bett.

Mittwoch

Dank rücksichtsloser Nachbarn endete mein Schlaf bereits um 11 Uhr. Nach dem Frühstücken  machten wir uns mit dem Auto auf zur Arbeitssuche. Wir fuhren in die ländliche Region um Bundaberg, um eine Farm zu finden. Kurze Zeit später fanden wir bereits ein Haus mit viel Ackerland herum und glücklicherweise trafen wir auch den Bauern am Trecker. Dort fragten wir nach Arbeit, aber wurden leider abgewiesen. Wir erfuhren, dass viele Bauern mit Working Hostels zusammenarbeiten. Daher suchte ich auf Gumtree – eine Seite, auf der Anzeigen für Jobs, Autos etc. publiziert werden können -  nach Farmarbeit und wurde auf eine Anzeige aufmerksam. Das Angebot war in Welcome Creek, ein Ort in der Nähe von Bundaberg. Jedoch konnte mein Navi die angegebene Straße nicht finden. Trotzdem durchfuhren wir den Ort zweimal und haben die Straße bzw. Farm nicht gefunden. Mit fast leerem Tank ging es dann zurück zur Wohnung, wo wir gleich die Vermieterin trafen.

Anschließend gingen wir mit Badesachen zum Strand und ich war das erste Mal in Australien baden. Nach einem Fußballmatch begaben wir uns zurück zum Appartement. Hungrig stiegen wir ins Auto und fuhren einkaufen und tanken … mit dem Navi suchten wir uns eine Tankstelle in der Nähe. Die erste „Tanke“ hatte geschlossen. Danach fuhren wir mit dem letzten Sprit zur nächsten Tankstelle. Das Navi – bzw. der iPhone-Akku – versagte auf den letzten Metern. Glücklicherweise mussten wir nur gerade ausfahren. Trotzdem fuhren wir vorbei – hat Navigon sich im letzten Dorf mit der Tankstelle geirrt? Nein, des Rätsels Lösung war ein Supermarkt mit einer Zapfsäule. Auffahrt ist überbewertet – man musste am Straßenrand tanken :-D .

Dann zurück: Da das Navi leer war und wir uns in Bargara nicht auskannten, fuhren wir ein paar Extrarunden, aber irgendwie kamen dann doch an. Wir schleppten den Einkauf in die Wohnung. *Trommelwirbel* Zum Abend gab es BARBEQUE (Känguru und Lamm), Salat und natürlich Heineken Milch.

Donnerstag

Neuer Tag, neuer Versuch. Vormittags starteten wir, um eine Farm zu suchen. Die Vermieterin des Appartements gab uns eine Adresse, bei der sich Farm an Farm reihen. Leider fanden wir vor Ort keinen Bauer oder die Farm-Supervisor brauchten niemanden.

Da das Appartement für vier Leute und nicht für fünf Leute gedacht war, benötigte ich eine neue Unterkunft. Daher fuhren wir in Bundaberg zu dem Working Hostels „Workers and Drivers“. Dort angekommen, voller Hoffnung neue Leute aus dem Ausland kennenzulernen, traf ich zuerst Julia, eine eine deutsche Backpackerin. Während unserer Unterhaltung lief uns der Hostelchef Joe über den Weg. Ich fragte ihn, ob ich einchecken kann und keine fünf Minuten später konnte ich mein Zimmer beziehen. Joe sagte mir zu 99% einen Job zu. Gemeinsam mit Julia ging es auf “Einkaufstour”: Für Arbeitsklamotten und Verpflegung der nächsten Tage besuchten wir zweimal den „Wollis“, zweimal den K-Mart und einmal den Coles – wer die Wahl hat, hat die Qual ;-) .

Im Hostel wieder angekommen, lernte ich Julias Freundin Annette kennen. Wir unterhielten uns über unser Australienabenteuer und gingen anschließend recht früh schlafen, da am nächstem Morgen der erste Arbeitstag starten sollte.

Freitag

*Riiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiing* klingelte der Wecker um 5:30 Uhr morgens. Mehr oder weniger schnell die Klamotten zusammengesucht und ab ins Bad. Als hätte die Uhrzeit als Schock nicht gereicht, begrüßte mich das Bad mit einer verschimmelten Wand und die Dusche mit Dreck/Sand auf dem Boden – welch Glück, dass ich meine FlipFlops mithabe.

Wach geduscht ging es dann direkt zum Taschepacken. Zwei Flaschen Wasser und trockenes Brot eingepackt (es fehlt morgens um 6 Uhr einfach an Motivation)  und ab zum Treffpunkt, von dem wir abgeholt werden sollten.

Kaum im Bus ging es auch schon ab zur Süßkartoffelfarm. Auf der Fahrt dorthin lernte ich zwei Mädchen kennen, mal wieder deutsche Mädels!

Unsere Aufgabe bestand in den ersten fünf Stunden darin, am Fließband Süßkartoffeln der Größe und Dicke nach in Kartons einzupacken. Eine einfache und entspannte Aufgabe, abgesehen davon, dass der Chef extrem pingelig war.

Nach getaner Arbeit mussten wir die Halle säubern, wir waren nur zwei Jungs. Der eine war mit dem Stapeln der Kartons beschäftigt, also rief mich der Farmer zu sich, der gerade am Anfang der Maschine, dort wo die Süßkartoffeln eingeschmissen werden, stand. Ich reichte ihm zwei Eimer und bekam diese voll mit Schlamm wieder. Diese sollte ich drüben im Gras entleeren. Gras, Schlamm, Moor oder wie auch immer man diese Pampe nennen möchte. Zurück in der Halle, warteten die nächsten zwei Eimer voller Schlamm auf mich – yaaaay, Freude. Als das Becken endlich leer war, durfte ich vor der Halle vertrocknete Süßkartoffeln aufsammeln.  Danach war der Farmer mit seinem Putzprogramm fertig und schickte mich zum Rest der Gruppe, die gerade die Halle fegte.

Die Frau des Farmers hatte einen Schmutzhaufen zusammengekehrt. Diesen sollte ich in einen Eimer kippen und dann außerhalb der Halle leeren. Leicht gesagt, schwer getan, denn keine zwei Meter weiter hauste eine größere Schlange hinter einer Palette und schlief. No worries dachten sich alle, außer mir. Ganz, ganz, ganz schnell den Müll in den Eimer gekehrt und ganz, ganz, ganz schnell das Weite gesucht.

Anschließend waren wir alle fix und fertig und wir genossen unsere Mittagspause. Wir saßen am Tisch und ich dachte: Jawohl, erster Arbeitstag überstanden!

Keine zehn Minuten später kam der Farmer und fragte uns, ob wir noch zwei Kartons Süßkartoffelpflanzen schneiden wollen. Die Gruppe antwortete mit einem JA und „einige“ Minuten (die Pause war ziemlich lang :-D )  später stiegen wir in einen sehr alten Jeep – mehr als 350 000 km runter, durchgerostet und mindestens 15 Jahre alt. Auf der Plantage angekommen, fingen wir erneut mit der Arbeit an. Die deutschen Mädchen meinten, dass es schnell gehen würde, nur aus schnell wurden zwei Stunden, da die Pflanzen einzeln und nicht gebündelt waren, wie es die Mädchen von einer anderen Farm kannten.

Danach war es endlich geschafft und wir wurden mit dem Bus wieder nach „Hause“ gefahren.

Dort traf ich auch schon Annette und Julia. Hungrig gingen wir einkaufen und kamen mit Karotten, Hackfleisch und Kartoffeln wieder. Zum Abendbrot gab es glasierte Karotten mit Stampfkartoffeln und Frikadellen – der Wahnsinn, wie lecker Annette – ihr Freund ist Koch  – kochen kann :-) .

Danach quatschten wir noch ein wenig miteinander, auch über den  morgigen Arbeitsplan: Ich muss(te) zu den rockmelons. 5:15 Uhr Abfahrt, 6:00 Uhr Beginn – na toll!

Anschließend gingen wir beide schlafen, um für den nächsten Morgen fit zu sein!.

Samstag

Am Samstag musste ich noch früher aufstehen, da es zu einer rocketmelons (Honigmelone) Farm ging. Diesmal hatten wir keinen Chauffeur, dieses Mal ging es per Bus dorthin. Mit Hilfe eines anderen Backpackers fanden wir den Weg zur Farm.

Dort angekommen, wurde uns ein Messer in die Hand gedrückt und wir sollten die größeren Melonen abschneiden. Nachdem die zwei Reihen “abgeerntet” waren, fuhren wir zur nächsten Farm und pflückten dort die Melonen – quasi das Gleiche wie cutten, nur, dass man die Melonen am Stiel abzieht.

Nach zwölf (!) Stunden,gegen 18:00 Uhr, hatten wir endlich Feierabend und fuhren zurück zum Hostel. Der Weg führte direkt zur Dusche und dann ins Bett.

Sonntag

Diesmal wechselte ich nicht die Farm und durfte weiterhin an den rocketmelons arbeiten. Ist zwar anstrengend, sich zwölf Stunden zu bücken und irgendwelche Melonen auf ein Band zu legen, aber es sind immerhin knapp 240 Dollar (brutto) am Tag :-) .

Am Vortag fragte ich Joe, den ultranetten Traktorfahrer, ob ich Musik hören darf. Er hatte damit kein Problem, also iPhone samt Kopfhörer am Morgen eingepackt. Im Bus fiel mir ein, dass ich vor lauter Euphorie die Handschuhe vergaß – ein Fehler, den ich bestimmt nicht noch einmal machen werde!

Kategorie: Allgemein
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