Woche 3

Montag

Die Arbeit bei den rockmelons sah so aus, dass es es auf dem Feld  mehrere Reihen gab, jeder Arbeiter zwischen zwei Reihen stand und links und rechts die Melonen aufheben und auf ein Band legen musste. Die Melonen rollten dann in die Mitte der Maschine und wurden mit einem Förderband hochgetragen und dort gesammelt, bis der Supervisor die Melonen mit einem PickUp abholte. Damit keine Melonen daneben fallen konnten, mussten sich beim Entladen (auf den PickUp) je Seite zwei Leute hinstellen. Warum ich das erzähle? Auf dem Weg zum PickUp (die Maschine war circa 10 Meter lang) ging ein australischer Arbeiter, der neben mir ging, meine Reihe ab und pickte unreife (!) Melonen und legte diese für den Supervisor ganz offensichtlich in den Korb des PickUps. So ein *pieeeeep*.

Daher wunderte ich mich nicht, dass ich am Montag auf einer anderen Farm arbeiten musste. Diesmal arbeitete ich auf einer Paprikafarm, Arbeitsbeginn war um 5:00 Uhr … morgens versteht sich!

Nachteil war das frühe Aufstehen, der große Vorteil jedoch, dass die Temperatur erträglich war. Die ersten drei Stunden pickten wir die Paprika und anschließend mussten diese in Kisten einsortiert werden. Meine Aufgabe war die Qualitätssicherung – ich musste schlicht die schlechten Schoten aussortieren.

Nach der Arbeit kam es noch mit dem Chef zu einem kurzes Gespräch. Dieser ist ein gebürtiger Italiener und vor vielen Jahren ausgewandert. Es hatte den Anschein, dass wir auf einer Wellenlänge waren, denn er verabschiedete sich mit: „See you  tomorrow!“.

Bereits zur Mittagszeit waren wir wieder am Hostel. Ich habe erstmal zwei Stunden entspannt, mich dann frisch gemacht und  bin anschließend durch Bundaberg gerannt, um endlich mal wieder Fotos zu schießen. Nach vier Stunden kam ich deprimiert zurück – ich (und wie sich durch Gespräche herausstellte, viele andere auch) fanden keine schönen Motive zum Fotografieren *grrrrml*.

Dienstag

… Besser gesagt: Montag am Abend. Ich ging zum Office um die Unterkunft für die Woche zu bezahlen (Sonntag kam ich erst 18 Uhr zurück und da war kein Mensch mehr beim Office). Dort traf ich Joe, den Chef des Hostels, und die Sekretärin. Bei der Sekretärin bezahlte ich und mit Joe sprach ich über die Arbeit – durch einen Fehler wurde ich am Montag auf der falschen Farm eingeteilt. Daher wurde ich am Dienstag wieder auf einer Süßkartoffelfarm eingeilt – ich hatte mich schon so auf die Paprika gefreut :‘(.

Am nächsten Morgen ging es dann zu einer neuen Farm. By the way: Für den ersten Arbeitstag auf einer neuen Farm benötigt man ein Formular mit Tax File Number und Kontodaten. Fünfter Arbeitstag, viertes Formular – danke dafür! :D

Wir fuhren zur Farm. Diesmal in eine andere Richtung von Bundaberg … und nein, es gab während der Fahrt auch nichts – wirklich rein gar nichts – Besonderes zu sehen.

An der Farm angekommen, wurde ich von der Frau (Angela) des Chefes (Mal) eingewiesen. Während der Einführung führten wir einen kleinen SmallTalk. Sie fand es toll (?), dass ich aus Deutschland komme, da sie selbst als Kind für sechs Jahre in Deutschland lebte. Mit der Zeit in Australien verlernte sie zwar Deutsch, aber für ein „Das sind meine Kinder“ hat es noch gereicht. Voll sympathisch die gute Frau. Genauso die beiden Kinder, die beide auf der Farm mithalfen. Der eine hieß James und war zwölf Jahre alt, sein Bruder war nicht viel älter. By the way (#2): Die beiden lernen in der Schule  die deutsche Sprache – hehe.

Drei Stunden lang cutteten (denglisch!) wir die Kartoffelpflanzen einer Reihe. Ging recht fix, da wir die Pflanzen, fast am Boden, gebündelt abschnitten.

Danach machten wir unsere Mittagspause und fuhren zur anderen Farm. Sie kam mir sehr bekannt vor – es war die gleiche, bei der wir letzte Woche mit dem Auto waren und den Bauern nach Arbeit fragten. Der Bauer war kein x-beliebiger Bauer, sondern es war Mal.

Egal – mit den Van fuhren wir aufs Feld und dort sollten wir die Süßkartoffelstängel einpflanzen. Zehn Mann mit der Maschine ((+) Schatten, (+) Sitzplatz mit Polsterung, (-) schnelle Arbeitsgeschwindigkeit) und der Rest per Hand. Angela meinte, ich solle bei der Maschine mitarbeiten. Okay… hingesetzt, Pflanzen auf den Schoß genommen und gepflanzt … oder zumindest versucht. Mit der linken Hand muss man einen Stängel nehmen und mit der rechten Hand (vier Finger) die Pflanze in den Boden einsetzen – für mich als Grobmotoriker genau das Richtige *säufz*. Nach der ersten Pause – ungefähr bei einem Drittel der 700 Meter Reihe – hat Angela mich dann abgelöst und ich pflanzte mit Hand (Plus:  man kann das Arbeitstempo selbst bestimmen, Minus: ständiges Bücken beim Einpflanzen).

Nach getaner Arbeit fuhren wir zurück zum Farmgebäude – das Sitzen auf dem Trailer (Anhänger, auf dem die Körbe mit den Pflanzen stehen) hatte dann wieder ein extrem geiles (!!) Feeling. Ich meine, Du und andere Arbeiter sitzen auf einem Aufhänger und ihr fahrt auf einem Feld herum – yaay!

Mittwoch

Ich dachte mir, dass ich wieder auf eine andere Farm musste. Aber falsch gedacht: Ich durfte wieder auf Mals Farm arbeiten – juhu!

Ich fasse es kurz: das Selbe/Gleiche wie am Dienstag.

Donnerstag

Und wieder auf Mals Farm – sehr geil! Die Tage begannen immer erst recht spät (10:00 Uhr), aber waren leider auch recht kurz (sechs Stunden), sodass ich kaum Geld (an)sparen konnte.

Und wieder das Gleiche wie am Dienstag und Mittwoch.

Freitag

Mein letzter Farmarbeitstag, da Samstag und Sonntag wegen Weihnachten frei ist. Diesmal cutteten wir nur zwei Stunden, da die Reihe nicht ganz so lang war.  Anschließend war „Smoker“, was mit der deutschen Frühstückspause zu vergleichen ist. Die Pause geht 15 Minuten und wird bezahlt – hehe :-) .

Danach sagte Angela „Let’s go“ und es ging Richtung Auto. Wir dachten uns, dass wir wieder zur gleichen Farm mussten, da es die Tage zuvor ebenso war. Die anderen gingen Richtung Feld. Der deutsche Arbeiter und Fahrer fragte englisch, ob wir vorfahren sollen? Da kein Protest aus den hinteren Reihen kam, fuhren wir los. Ich war mit meinem Navi Beifahrer. Ich kannte die Straße zwar nicht, wusste jedoch, dass sich die Farm vor „Welcome Creek“ befindet (dort waren wir letzte Woche ebenfalls auf Arbeitssuche). Also fuhren wir die Strecke – bloß diesmal einen anderen Weg als sonst. So langsam begann die Pumpe zu schlagen. Wir folgten dem Navi und nach zehn Minuten und keinerlei Anhaltspunkten war ich dem Herzkasper nicht mehr weit entfernt. Keine drei Minuten später sind wir aber erfolgreich auf der Farm angekommen – Navigon rockt halt :-) .

Wir fuhren aufs Feld und durchquerten eine Pfütze, nach der Pfütze war der Weg etwas schmaler und mit Schlaglöchern versehen. Wir beide, Fahrer und Beifahrer, schauten uns an und der deutsche Fahrer gab nochmal Gas. Wir beide mussten nach der „Aktion“ lachen. Ich drehte mich um und fragte: „It was funny, wasn’t it?“. Leider erhielt ich von den Koreanern und Franzosen keine Antwort. Zwei Mädchen schauten mich nur fragwürdig an.

So… dann waren wir auf dem Feld, aber keiner der anderen Kollegen war zu sehen. Also rufte ich Mal an und gab das iPhone schnell aus der Hand, damit ich nicht mit ihm reden muss :-P .

Der Fahrer sprach mit Mal und Mal sagte uns, dass wir heute auf einer anderen Farm arbeiten sollen.

Also fuhren wir zurück – diesmal den mehr oder weniger bekannten Weg. Das Problem ist, dass die Straßen alle gleich aussehen. Sie sind lang, auf der einen Seite Wald, auf der anderen Seite Farm. Egal – wir erreichten die „cutting Farm“ recht schnell. Mal holte uns ab und wir fuhren zu einem benachbarten Feld, das keine drei Minuten entfernt ist. Epic Fail würde ich mal sagen.

Mal und Angela haben das übrigens extrem entspannt aufgefasst – „no worries guys“.

Nach getaner Einpflanzarbeit schrieben wir uns, wie jeden Tag, in eine Arbeitsliste ein: Name, Pause, Arbeitszeit. Da wir 30 Minuten sinnlos herumgefahren sind, mussten wir 30 Minuten von unserer eigentlichen Arbeitszeit abziehen (natürlich nur bei den Leuten, die im Van saßen). Allein für die Pfützenaktion hat sich das schon gelohnt.

Auf dem Heimweg saßen zwei Leute weniger im Bus – die beiden Mädchen. :-D

Wir fuhren zum Sharehouse, wo der deutsche Fahrer wohnte. Dieses ist drei Kilometer von unserem Hostel entfernt. Daher wurde ich gefragt, ob ich den Van fahren soll – ich versteh die Frage nicht. Eins, fix, drei saß ich am Steuer des Toyota Buses mit 420000 km. Okay, wir fuhren los. Erst mal an das Auto gewöhnen, daher die erste Kurve ganz sachte. Die zweite auch noch. Wir spielen ja nicht im Sand – also fuhr ich beim Kreisverkehr „etwas“ schneller. Irgendwas zwischen 25-35 km/h im Kreisverkehr zweiten Gang. Gegenlenken beim Verlassen des Kreisverkehres inklusive. Ich mal wieder am Lachen und die Leute hinten, hielten sich am Angstgriff fest. Was ein Glück, dass da noch zwei Kreisverkehre waren. Ach naja … die anderen sollen sich da mal nicht so haben :-D .

Resumee der letzten Tage: Der erste Gedanke, wenn man dort in die nasse Erde (Modder) einpflanzt, dann ist das anfangs ein wenig gewöhnungsbedürftig. Ich dachte mir „Motter fuck(a)“ – auch auf solche dummen Sprüche kommt man, wenn man zu lange auf dem Feld steht. Die ersten drei Tage waren für den Rücken extrem anstrengend, aber danach nimmt man die Arbeit wie sie kommt. Spaß hat es mir nicht gemacht, aber es gehört auf jedenfall zu den Must-Haves als Backpacker dazu. Weiterhin verdient man auf der Farm schnell und viel Geld. Innerhalb der acht Arbeitstage habe ich knapp 1100 A$ (Brutto) verdient. Dazu gehört auch ein wenig Glück, dass man lange Schichten bekommt. Netto sind es 900 A$. Netto vom Netto (also abzüglich Unterkunft, Arbeitsklamotten, Verpflegung) bleiben 600 A$ übrig. Für den Anfang schon ein nettes Sümmchen.

Samstag

Frohe (deutsche) Weihnachten! Die Australier feiern Weihnachten am 25.12.! Nicht desto trotz war Weihnachts- und Feierstimmung angesagt. Einige Leute haben gegrillt, andere haben in der Unit zusammen gegessen und andere – z. B. ich – haben gar nichts gegessen. Mein Abend habe ich größtenteils mit Julia und Annett verbracht. War ganz amüsant ;-) . Nebenbei noch ein wenig getrunken.

Worüber ich mich besonders gefreut habe, war die Skypekonferenz um 20:00 Uhr australischer Zeit. Anwesend waren Mum, Paps, Onkel, Brüderchen + Freundin und die Ömings. Hat mich sehr gefreut und anscheind haben sie sich auch gefreut, mich zu sehen … und ich glaub auch ein wenig über meine schicke Weihnachtsmütze :-P .

Sonntag

Der letzte Tag im Working Hostel. Den letzten Tag noch entspannt ausklingen lassen und in Ruhe die Tasche gepackt. Um 22:00 Uhr war es denn Zeit, um Abschied zu nehmen – ich hoffe nur temporär. Vielleicht sehen Annett, Julia und ich uns nochmal in Cairns.

Um 22:20 Uhr erreichte ich den Abfahrtshof. Weitere 20 Minuen später kam der Bus – ich dachte, ich sehe nicht richtig. Mit so einem Bus bin ich noch nie gefahren. Angenehme Sitze (Komfort und Breite), angenehm kühl, leiser und ruhiger Bus, gute Filme. Die 20 Stunden waren dennoch lang.

Kategorie: Allgemein
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